Schokolade und Sherlock – Mit dem Zug durch die Schweiz III

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Schokolade und Sherlock – Mit dem Zug durch die Schweiz III

Postkarte_Chocolate_Club_LomoherzDurch unsere Flugverspätung verpassen wir gleich unser erstes Highlight in der Schweiz: Schokoladentafeln selber herstellen! Die Enttäuschung ist groß.
In der Hoffnung, dass doch noch irgendetwas geht, laufen wir gefühlte 2 Minuten nach unserer Ankunft in Interlaken zum Funky Chocolate Club mitten in der Innenstadt. Dort treffen wir auf zwei enthusiastische Mädels in unserem Alter: Michaela und Tatiana. Die beiden sind „Kolleginnen, Business Partner und passionierte Schokoladensüchtige“.
Darüber hinaus sind sie auch noch Inhaberinnen des Clubs, Veranstalterinnen von Schoki-Workshops, Verkäuferinnen, Marketeers und Chocolatiers in einem.
Eine Verbindung ist sofort da: die Liebe zu Schokolade. Außerdem hat Michaela ausgerechnet an der Uni ein Auslandssemester absolviert, an der ich zur Zeit angestellt bin. Zufälle gibt’s!
Das Konzept des Funky Chocolate Clubs ist so einfach wie genial: eine interaktive Familienaktivität, die nicht vom Wetter abhängig ist und die schönste Kunst der Schweiz vorführt, inklusive Souvenir aus der eigenen Produktion. Kurz gesagt: Make your own chocolate! Das Glücksgefühl – nicht nur vom Schoki essen, sondern auch vom Schoki machen – ist einfach unwiderstehlich.
Und wir haben Glück: am Montagmorgen sind noch zwei Plätze im Schokoladen-Kurs frei. Gar nicht so selbstverständlich, denn die meisten der täglich zweimal stattfindenden Workshops sind regelmäßig ausgebucht.

Als es (endlich) soweit ist, stehen wir zusammen mit Chocolatier Michaela, Team Miami, Team UK und Team Colombia um den vorbereiteten Stahl-Tisch im Chocolate Lab®. Schürze und eine knallrote Chef-Mütze werden uns feierlich überreicht.
Während Michaela uns ein bisschen über die Herkunft, Verarbeitung und Zauber der Schokolade erzählt, baut sie zwischendurch immer wieder Quiz-Fragen ein, um das Ganze ja nicht wie einen Vortrag klingen zu lassen. Nach den ersten 3 Fragen stehen wir – Team Germany – deutlich auf dem Looser-Platz (ich muss mir bei Pub-Quizes echt mal angewöhnen, lauthals in die Runde zu kreischen), aber bei der alles entscheidenden letzten Frage mit fünffachem Punktewert ziehen wir an allen anderen vorbei, hehe.

Bevor wir unsere eigene Schokolade herstellen, werden Probierschälchen herumgereicht anhand derer Michaela die verschiedenen Schokigrade, Geschmack und Inhaltsstoffe erklärt. Die weiblichen Parteien aus Team Colombia und Team Miami starren intensiv auf die verschiedenen Schokoladenstückchen, als würden sie im Geiste nachzähen, ob die Probierstücke auch wirklich für alle reichen. Einige Schüsseln sind nach dem Schokoladenhoch tatsächlich leer.
Und dann geht es endlich an die Schüsseln und den Schokoladen-Brunnen: Michaela zeigt uns wie man Schokolade richtig schmilzt, sie in Tafel-Formen ausgießt und ausfüllt. Sie nennt uns Tipps und bringt uns Tricks bei, wie wir unsere Schokolade professionell dekorieren und wie wir gaaanz lange etwas von unserer Schoki haben, vor allem wie wir sie heil nach Hause bekommen (wenn sie denn so lange überlebt). Aber erst müssen unsere drei Tafeln in den Kühlschrank.

Jule und ich schmelzen während der gesamten Produktion dahin wie Zartbitterschokolade mit einem Hauch von Mandel.

Jule – norddeutsch wie sie ist – verfeinert ihre Schokolade mit Salz.

Bei der Frage, welche Art von Schokolade wir lieber mögen und demnach verarbeiten wollen (hell oder dunkel) sind wir zum ersten Mal auf dieser Reise nicht einer Meinung: Jule ist Milch, ich bin dunkel (haha). Jetzt kennen wir uns seit 15 Jahren und es braucht erst eine Reise in die Schweiz für diese Entdeckung. Nur gut, dass jeder seine eigene Schoko-Schüssel hat. Für die dunkle Schokolade muss übrigens ein Mindestkakaoanteil von 50% her. Alles was darunter liegt, gilt als Milchschokolade.

Während des Workshops darf man also so viel probieren, kreativ kreieren und dekorieren wie man sich nur ausdenken kann. Mit der „Schoko-Ausrüstung“ fühlt man sich fast wie ein richtiger Chocolatier und die gesamte Prozedur darf gefilmt und fotografiert werden. Oder man lässt sich einfach fotografieren, inklusive Gruppenbild mit schokoverschmierten Schürzen und Gesichtern. Am Ende, wenn die Schokoladentafeln die perfekte Konsistenz erlangt haben, werden sie von den beiden Chefs hübsch verpackt und mit dir in die Welt hinausgeschickt.

Funky Chocolate Club © Lomoherz Instagram

Bevor man den Chocolate Club mit seiner eigenen Schokolade verlässt, findet man sich übrigens in der SchoggiBar (Schokofondue!) sowie im hauseigenen Schoko-Laden wieder, in dem man sich kaum für ein Souvenir entscheiden kann.

Zwischendurch: Unser Video des Tages ;)

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Ich kann mir vorstellen, dass seit der visuellen Neuauflage von Sherlock Holmes – sei es nun Benedict Cumberbatch oder Robert Downey Jr. – eine neue Generation Sherlock Fans nach Meiringen in der Schweiz gepilgert ist. Beide Adaptionen des Doyle Stoffs nehmen direkten Bezug auf den berühmt-berüchtigten Schauplatz in dem überschaubaren Städtchen: die Reichenbachfälle. Hier stürzte der Meisterdetektiv temporär in den Tod, bevor ihn Sir Arthur Conan Doyle Jahre später wieder zum Leben erweckte.

Ein leichtes Mittagessen in unserer Taverne und schon stehen wir wieder zwischen den Gleisen. Zum ersten Mal fahren wir in Richtung Brienz und der Brienzer See lugt schon bald hinter der Tunnelausfahrt hervor. Wieder können wir den Blick nicht von dem funkelnden Wasser wenden, das uns fast karibische Zustände vorgaukelt. Fehlen nur noch die Palmen, die wir gestern in Montreux gesehen haben. In Meiringen wechseln wir zum Bus, der kurz nach unserer Ankunft in den Bahnhof einbiegt. Überhaupt muss man hier selten auf seinen Anschluss warten. Das Gerede von dem Schweizer Uhrwerk kommt nicht von irgendwo her. Ankunft- und Abfahrtszeiten aller öffentlichen Verkehrsmittel werden koordiniert und sind exakt aufeinander abgestimmt. Wahnsinn. Wir praktisch und … angenehm, stets nur ein paar Minuten Aufenthalt zu haben. Die paar Male, an denen ein Zug wegen technischer Störungen Verspätung hat, können wir in der ganzen Woche an zwei Fingern abzählen.
Der Postbus (ja, so heißen die öffentlichen Busse hier:), in dem es kostenloses Wi-Fi gibt, hält direkt vor unserem Ziel. Am Fuße der Reichenbachfälle befindet sich eine Standseilbahn-Station aus dem 19. Jahrhundert, deren nostalgischem Charme wir auf Anhieb verfallen. Holzwagen und Station sind neu, aber detailgetreu nachgebaut, mit originalen Fahrgestellen und moderner Steuerung. Linie und Brücken wurden ebenfalls hübsch saniert.

Mit einem Seil werden wir eine Steigung hinaufgezogen, die mich kaum zurückschauen lässt. Kurz bevor wir oben ankommen, erwartet uns ein Regenbogen, eben genau an der Stelle, an der Sonnenschein und Sprühnebel der Wasserfälle zum ersten Mal aufeinandertreffen.
Als wir das erste Plateau betreten, sehen wir, wie die anderen Besucher sich fachmännisch Ponchos überstreifen oder die Kapuze aufstellen. Ah, da war ja was. Auf eine Abkühlung an den Reichenbachfällen hatten wir uns gefreut, dass wir von der Gischt völlig durchnässt werden, hatten wir dagegen nicht erwartet. Wie wunderbar. Denn bei den Temperaturen war dies genauso willkommen wie ein Sprung in den aufgeblasenen Kinderpool.
Und der eigentliche Aufstieg stand uns ja noch bevor. Auf Treppen, dann natürlichen Stufen die später in schmale Tritte und breite Trampelpfade übergingen, erreichten wir ein zweites Plateau, von dem man eine großartige Aussicht über das Tal hat, und wenig später den Reichenbachfall. Durch eine Brücke, die uns von einer Felswand zur nächsten bringt, schweben wir zeitweise direkt über den tosenden Wasserfällen. Wenn sich der Wandererstrom in Grenzen hält sollte man hier unbedingt seine Fotorüstung auspacken und abfeuern. Im Gegensatz zum ersten Plateau ist man hier relativ sicher vor Wasserfunken, sodass man keine Spritzer auf der Linse befürchten muss.

Oben auf der Brücke bin ich versucht, lauthals MORIARTYYYYY hinauszubrüllen, nur um zu beobachten, wie das Echo von Gebirgswand zu Gebirgswand schallt, bis ihn die donnernden Wasserfälle verschlucken. Doyle-Style eben.

Von hier aus sieht man auch die Stelle, an der der Todeskampf zwischen Holmes und Moriarty stattgefunden hat. Sie ist mit einem großen X markiert.

Wenn man dabei nicht die Worte Watsons aus dem letzten Kapitel im Ohr hat…

„A few words may suffice to tell the little that remains. An examination by experts leaves little doubt that a personal contest between the two men ended, as it could hardly fail to end in such a situation, in their reeling over, locked in each other’s arms. Any attempt at recovering the bodies was absolutely hopeless, and there, deep down in that dreadful caldron of swirling water and seething foam, will lie for all time the most dangerous criminal and the foremost champion of the law of their generation.“ (aus: The Final Problem)

Potzblitz! Auch hier haben wir ein Amateur-Filmchen gedreht…

Wir sind wieder im Tal, fahren mit dem Postbus zurück in die Stadt. Auf der Suche nach unserem nächsten POI wird uns mit einem Schlag bewusst, wie sehr Meiringen durch die Kunstfigur Sherlock Holmes geprägt ist: Sherlock Holmes Hotel, Sherlock Holmes Bar, Sherlock Holmes Fähnchen, Sherlock Holmes Statue, Arthur Conan Doyle Platz und so weiter. Überall entdecken wir Spuren des englischen Detektivs und seinem Erschaffer. Aber warum ausgerechnet in Meiringen?

Doyle war ein steter Gast in Meiringen und stieg seiner Zeit im Hotel zum Wilden Mann, dem heutigen Parkhotel du Sauvage, ab.
Es war seine Begeisterung für die Landschaft und die wilden Reichenbachfälle, die ihn dazu brachten, Meiringen, das Hotel (unter anderem Namen) und die Wasserfälle in dem obengenannten Roman The Final Problem – Das letzte Problem als Schauplätze zu wählen.

Wonach wir seit den Reichenbachfällen Ausschau halten, ist natürlich das Sherlock Holmes Museum, das von allen Holmes-Monumenten am Unscheinbarsten daherkommt: als eine Kapelle. Der Sherlock Holmes Weg führt von der Statue durch die Geschichte, bis hin zum Museum, das sich im Untergeschoss jener Kapelle befindet. Dort sehen wir Originalgegenstände aus der Zeit von Sherlock Holmes, der Audioführer versorgt uns mit Hintergrundinformationen und führt uns unweigerlich zum eigentlichen Höhepunkt: Dem originalgetreuen Nachbau des Wohnzimmers in der 221B Bakerstreet, London. Alle Informationen, die die Geschichten Doyles über den Zustand und Aufbau des Wohnzimmers preisgeben, wurden hinter dieser Glasscheibe umgesetzt und zum Leben erweckt. Denn das ist schließlich das Phänomen, das Sherlock Holmes umgibt: Ein fiktiver Charakter auf Papier, der auf eine Weise verehrt wird, als hätte es ihn tatsächlich gegeben… Das Museum weiß diesen Aspekt mit den vermeintlichen Original-Gegenständen und dem oppulent-detaillierten Zimmer fantastisch umzusetzen.

Sherlock Homes Museum © Lomoherz Instagram

Und schon morgen geht es weiter mit Teil 4 unserer Reise: Hoch hinaus – Das Jungfrau Joch und der Bachalpsee auf dem First!

………………………..

 

An dieser Stelle ein herzliches Danke vielmals an die Markenjury, an Schweiztourismus und an alle Beteiligten, die diese Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben.

Ein großartiges Dankeschön gilt meiner entzückenden Reisebegleitung Jule, die mir tatkräftig dabei half, die Reise in Impressionen festzuhalten. Ihre Bilder seht ihr ebenfalls in diesem Post.

Ein letzter kleiner Hinweis: Aufgrund der vielen Bilder, und um Geduld, Gewicht und Ladezeit zu schonen, sind alle Fotos komprimiert worden, d. h. ihr seht eine relativ niedrig aufgelöste Variante der Originalbilder.

Alle Schweiz-Reportagen im Überblick findet ihr hier!

 

Euer Lomoherzli

 

 

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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6 Comments
  • Paleica
    Posted at 09:04h, 10 August Antworten

    beim schokimachen wäre ich auch sofort dabei. hach. leeecker!
    und der ausflug zum reichenbachfall klingt toll wie immer, wundervolle bilder. hachach!

    • Lomoherz
      Posted at 12:28h, 26 August Antworten

      Schoki machen … definitiv ein Highlight dieser Reise! Auch wenn ich mich am Ende für kein Sieger-Highlight entscheiden könnte ;)
      Danke danke, du Liebe!

  • Christina
    Posted at 21:13h, 12 August Antworten

    Awwwww!!! Ja ich bin verliebt!
    Wie kann man Schokolade und Sherlock Holmes nicht mögen?!
    Alleine der Schokoladen-Workshop ist eine Schweiz-Reise wert. Hach. Ich will jetzt was Süßes.
    Liebe Grüße
    Christina

    • Lomoherz
      Posted at 12:14h, 26 August Antworten

      Genau das haben wir selbst auch so oft gedacht: Allein diese oder jene Aktion war es wert, in die Schweiz zu reisen! Schoki und Sherlock … hach, ein echtes Traumpaar!

  • La Suisse Lomoesque - Mit dem Zug durch die Schweiz Lomo Spezial - Lomoherz
    Posted at 21:28h, 03 September Antworten

    […] Lubitel war eigentlich für Titelbilder in diesem Stil mitgekommen. Das funktionierte allerdings nicht immer so gut und so entstanden stattdessen die […]

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