Analog Verreisen #1: Verdammt, welche Kamera(s)?

Analog Verreisen #1: Verdammt, welche Kamera(s)?

Vor jeder Reise stehe ich ungelogen vor der gleichen – und sehr schwierigen – Frage:
Welche. Kamera. nehme. ich. mit?

Jedes Mal nehme ich mir vor, mich auf 2 … na höchstens 4! Kameras zu beschränken. Und dann fahre ich mit 7 los.
Mitunter kann es dann passieren, dass ich am letzten Tag der Reise ohne Klamotten dastehe. Ohne frische Klamotten meine ich.
Kamera-Ausrüstung statt persönlicher Ausrüstung? Nicht ungewöhnlich bei Lomonauten. Aber auch ein Kompromiss, der manchmal…in die Hose geht.

In Südtriol konnte ich mich noch zurückhalten: 5 Kameras kamen mit auf den Roadtrip; auf der Nordeuropa-Reise mit dem großen Schiff waren es dann schon 8. Die Gewissheit, sie dabei zu haben, fühlte sich großartig an, aber mit der Vielfalt kam auch die Wust an Bildern, teilweise sogar die gleichen Motive. Also genau das, was ich mit der Filmfotografie ja eigentlich vermeiden wollte. Als Bloggerin stand ich vor einem weiteren Problem: Wie sollte ich aus diesen vielen verschiedenen Formaten (120! 35! 110!) und Filmen (X-Pro! Purple! S/W!) jemals einen einheitlichen Beitrag verfassen? Ihr fragt euch, wo meine Bilder von dieser Schiffsreise bleiben? Genau das ist mein Problem.

Danach hatte ich mir geschworen, NIE wieder eine so große Auswahl an Kameras und Filmen mitzuschleppen. Und jetzt, 5 Tage vor meiner Reise in die Schweiz, ertappe ich mich dabei, wie ich CineStill, Purple, X-Pro und s/w-Filme horte. In der Tasche liegen bereits Praktica, LC-As, Spinner, Lubi und Diana. Bereit für den Abflug. Nur für den Fall, dass… . Ugh! Nicht schon wieder! In der Schweiz will ich nicht in halb-schmuddeliger Wäsche herumaufen, nur weil ich 3 Shirts gegen 3 Pack Filme ausgetauscht habe!

Da bleibt nur eins – ich muss eindeutig rationaler an diese Sache gehen:

Was ist mir wichtiger? Der Moment oder das Bild?

Wenn ich 3 Kameras um den Hals habe, werde ich auch 3 Kameras benutzen … und laufe damit Gefahr, den eigentlichen Moment zu verpassen?

Jede Kamera hat ihr eigene Besonderheit. Deshalbt müssen einfach alle mit. Oder?

Grundsätzlich schon. Das ist schließlich der Grund, warum ich Kameras sammle. Aber auf Reisen damit die Gewichtsobergrenze auszureizen? Nicht gerade entspannend.
Kompromiss zur Güte: Statt einer krassen Rationalisierung lieber ein sanftes Ene Mene Muh. Die 3 Mittelformatkameras erstmal auf eine reduzieren, dann sind die Kleinbildkameras dran. Brauche ich wirklich eine Praktica und eine Canon AE1 Program im Handgepäck?

Argumente, die absolut gegen eine bevorstehende Reise sprechen:

Bei der LC-A sitzt die Linse locker? Die Canon hat seit letzter Woche ab und an Keuchhusten? Nichts wie raus aus der Tasche!

Ein Allround-Talent muss her. Und wenn es doch mehr werden: Wann setze ich wo welche Kamera ein?

In einigen Reise-Situationen muss es schnell gehen. Mit einer Messsucherkamera ist man darin z.B. nicht so gut beraten.

Wie viele Kameras will ich mir bei 32°C im Schatten wirklich um den unbelüfteten Nacken legen?

Lieber Wohlfühlkamera und 1-2 Wechselobjektive mitnehmen, als 3-4 Kameras gleichzeitig jonglieren.

Reise ich allein, zu zweit, in einer Gruppe?

Fotografische Auschweifungen können durchaus die Geduld der Mitreisenden auf die Probe stellen. Wenn man dann noch anfängt, eine 2. und 3. Kamera herauszukramen….

Was will ich mit meinen Bildern eigentlich zeigen? Den Städtetrip im Urban Style? Den ersten Urlaub zu zweit? Die romantische Einsamkeit im Campervan?

Überlegt euch ein Theme oder sogar ein Konzept für die Reise und verwirklicht es mit den passenden Kameras und Filmen.

Für was entscheide ich mich eigentlich zuerst? Für die Kamera oder für den Film?

Nicht jeder Film produziert die gleichen Ergebnisse in unterschiedlichen Kameras. Ganz im Gegenteil: es gibt sogar unschlagbare Film-Kamera-Kombis (schaut mal hier), die BFFs in der Lomo-Welt. Findet eure Kombination und zieht das Ding durch.

Zum Schluss hoffe ich ganz einfach, dass weniger hier wirklich mehr ist und stelle mir die bloggerige Reizüberflutung vor, die 5 verschiedene Kameras und 7 verschiedene Filme mit sich bringen würden…

Und so packe ich in meinen Koffer:

den Allrounder (SLR mit Weitwinkelobjektiv), den Schnappschuss (LC-A) und den Exot (Spinner). Und genau eine Sorte Film: CineStill.

Wie geht es euch damit? Steht ihr vor jeder Reise vor ähnlichen Fragen, oder geht ihr lieber auf Nummer sicher und packt doch die warme Unterhose statt Kamera Nummer 3 mit ein?

 

Andererseits… reist man vielleicht doch ein wenig weniger charmant, wenn man derart berechnend an diese Sache herangeht? Schließlich geht es hier um die liebreizende Lomography…

Und im zweiten Teil: Ferne Länder und fragiles Filmmaterial – was gibt es bei Flugreisen etc. zu beachten?

Alle Fotos (bis auf das Titelbild) wurden analog mit meiner Mittelformatkamera Lubitel 166+ auf dem abgelaufenen Diafilm Ektachrome aufgenommen und anschließend cross-entwickelt (X-Pro).

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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18 Comments
  • Anonymous
    Posted at 10:44h, 30 Juni Antworten

    Auf jeden Fall GUTE REISE!
    ich hab ganz andere Sorgen, zur Zeit hab ich KEINE = o Kameras. Kaputt. und nun kommst du!

    • Lomoherz
      Posted at 13:26h, 27 August Antworten

      Oje, das hört sich aber nicht gut an. Ich hoffe, es sieht inzwischen ein bisschen rosiger aus?

  • nia_ffm
    Posted at 11:43h, 30 Juni Antworten

    Ich kann mich leider nie entscheiden und einschränken – ich liebe alle meine Kameras und Filme :D. Daher große Bewunderung von mir für Deine Entscheidung ;) Eine schöne Reise mit tollen Fotos!

    • Lomoherz
      Posted at 13:29h, 27 August Antworten

      Danke, Antonia :) es war auch wirklich nicht einfach und ich habe mir auf der Reise so manches mal gewünscht, mal eben fix die Diana oder die Agfamatic rauszuholen. Dafür ist „traveling light“ wirkliche ine ungemeine Erleichterung. Vor allem bei den Temperaturen, die uns in der Schweiz erwarteten ;)

  • trashpilotin rueckenwind
    Posted at 12:18h, 30 Juni Antworten

    Weniger ist mehr, das lernt man ganz schnell! Ich bin auf den Cinestill gespannt! Ganz viel Spaß und bring viele tolle Eindrücke mit!

    • Lomoherz
      Posted at 13:33h, 27 August Antworten

      In einigen Situationen hat mir meine Entscheidung gut gefallen, in anderen eher weniger. Auch hätte ich zum Beispiel mit dem CineStill 800 vorher nochmal üben oder ihn wenigstens testen sollen. Irgendwas muss ich falsch gemacht haben, denn bei den entwickelten Bildern waren ganz viele dunkle Sachen dabei… Vom CineStill 50 bin ich dagegen echt total begeistert. Habe ihn auch die meiste Zeit als ISO 50 benutzen können.

  • Dani
    Posted at 08:14h, 01 Juli Antworten

    Das lernt man ganz schnell Sonja? Ich warte seit 3 Jahren auf den Moment. ;) Tatsächlich habe ich mittelerweile sogar das Problem mit den Sofortbildkameras: nehme ich nur die SX-70 mit, kann es sein, dass manche Bilder einfach nichts werden. Nehme ich nur die Instant Wide 300 mit, werden die Bilder zwar ganz gut, aber denen fehlt der Charme.Hmpf. Und nimmst du jetzt TATSÄCHLICH nur den Cine Still mit? O.o DAS könnte ich definitiv nicht. Und KEINE Mittelformatknipse? Ich stelle mir Schweizer Holga-Kühe so großartig vor! :D Haha, Conny, du siehst: für mich wird das immer ein „Problem“ sein, mich da einzuschränken. Deswegen fahre ich gern mit dem Auto in die Ferien, dann kann ich soviel mitschleppen wie ich will und habe vor Ort alle Möglichkeiten. Ich darf gar nicht daran denken, mal wieder eine Flugreise zu planen, das wird ein Drama. Gute Reise meine Liebe und genieße die Schweiz mit allen Sinnen – ab und an darf die Kamera dann auch ruhig mal in der Tasche bleiben und du machst ein Foto mit den Augen, nur für dich allein. <3

    • Lomoherz
      Posted at 13:37h, 27 August Antworten

      Liebe Dani,
      ich habe deinen Rat befolgt und auch mal ein Bild für mich alleing „geschosen“ ;) Das hat sehr gut getan. Mit dabei hatte ich tatsächlich zum größten Teil den CineStill. Für die Spinner wollte ich sie aber nicht „verschwinden“, da kamen meine letzten Rossmann-Filme rein. Ich hatte allerdings noch eine vierte Kamera dabei, eine Überraschungskamera, denn eigentlich hatte sie auf Reisen eine andere Aufgabe. Dass sich zuuufällig noch ein Film in ihr befand, konnte ja keiner ahnen ;)
      Die Auflösung folgt ganz bald!

  • Jürgen
    Posted at 22:44h, 02 Juli Antworten

    Oh ja ich kann dich verstehen… Mein Höhepunkt waren 4 analoge (50er Jahre slr, 60er meßsucher, kleine 70er slr und meine tlr als Mittelformat) danach kam noch die digitale Slr mit 2 objektiven, eine kleine digicam und – fast vergessen – 2 unterwasserkameras vom Drogeriemarkt (sehr cool übrigens)…
    Da ich meine bessere Hälfte beim Reisen immer schimpfe, weil wir zuviel dabei haben, musste ich mich auch allmählich einschränken und nehme nur noch eine hauptanaloge mit, eine analoge zur Sicherheit ( man weiß ja nie…) und die Größe und kleine digitale, und meine kleine Meßsucher (Ricoh 500 g – sehr geil!) wird dann auch immer noch mitgenommen… Aber es ist ein immer wiederkehrendes Ritual…. Und ich liebe diesen Entscheidungsmoment, denn dann liegen all meine Schätze auf dem Tisch, sie werden überprüft und in der Hand gewogen ausprobiert – nach Reisegesichtspunkten – und dann verpackt. Hör nicht auf mitzunehmen und viel Spaß :-)

    • Lomoherz
      Posted at 13:43h, 27 August Antworten

      Es ist genau so, wie du es beschreibst! Ich liebe auch diesen Entscheidungsmoment. Gerade jetzt, wo es in ein paar Tagen wieder los geht, wird mir ganz kribbelig, wenn ich nur daran denke, dass meine Wahl noch nicht feststeht :) Und ja! Wie sie dann auf dem Tisch liegen, inspiziert und getätschelt werden… das ist wirklich mein liebstes Ritual vor jeder Reise oder Ausflug.
      Aber das Beste: „Eine Hauptanaloge und eine Analoge zur Sicherheit ( man weiß ja nie…)“ Hehe, ich glaube, das ist das häufigste Argument unter allen Fotografen – Profi und Amateur ;)

  • Julia Jarocki
    Posted at 21:16h, 22 Juli Antworten

    Wirklich schöner Blog. :-)

    • Lomoherz
      Posted at 13:45h, 27 August Antworten

      Danke, liebe Julia. Ich freue mich über deinen Besuch!

  • Analog Verreisen #1: Vorsicht, Film
    Posted at 07:30h, 27 Juli Antworten

    […] Weiter geht’s mit dem Sommer-Special Analog Verreisen! Heute zum Thema: Reisen mit lichtempfindlichem Filmmaterial. Teil 1 – Welche Kamera(s) nehme ich nur mit?! Und wenn ja, wie viele? findet ihr hier! […]

  • Kathleen
    Posted at 08:42h, 27 Juli Antworten

    Wir sind bis jetzt wegen der massigen Kameraausrüstung immer mit dem Auto in den Urlaub gefahren (du erinnerst dich vielleicht noch – Besuch in Krummwisch 2014). Heißt der Kofferraum des Kombis ist voll mit allem, was zu einer Woche Fotosafari dazu gehört und im Rest vom Auto werden dann die anderen eigentlichen Reisesachen verteilt… Platz bleibt dazwischen nur noch für uns.

    • Lomoherz
      Posted at 13:49h, 27 August Antworten

      Eine Reise mit dem Auto löst echt alle Probleme in dieser Hinsicht…ich glaube, deshalb mache ich auch so gerne Roadtrips :D
      Na klar erinnere ich mich! Nur schade, dass ich mich von eurem Fotosafari-Gepäck bis unters Dach nicht persönlich überzeugen konnte, so viele schöne Sachen habe ich wahrscheinlich gar nicht zum mitnehmen. Und wenn dann auch noch Kindersitze und co untergebracht werden müssten – unvorstellbar! ;)
      Viele Grüße!

  • Ivan
    Posted at 10:51h, 27 Oktober Antworten

    Oh ich verstehe das so gut. Im Sommer sind wir an die Nordsee gefahren. Da bin ich meistens am Strand mit zwei KB Kameras (Nikon F80 und Contax G1) und meinem Multisix Belichtungsmesser um den Hals, einer Schultertasche mit einer Nikon FE und kiloweise Filme, auf dem Rücken ein Stativ in einer Stativtasche und In der linken Hand noch meine alte schwere Pentax 67 Mittelformat Kamera rumgelaufen. Und ich hab meine Badehose daheim vergessen \o/ (Was mich aber nicht daran gehindert hat, auch mal mit meiner kurzen Jeans baden zu gehen… Aber das würde ich nächstes Jahr natürlich nicht mehr so machen. Das nächste Mal nehme ich selbstverständlich meine Badehose mit :-)

    Viele Grüße,
    Ivan

    • Lomoherz
      Posted at 20:56h, 31 Oktober Antworten

      Haha, wunderbare Pointe!
      Anfangs dachte ich, ich stünde mit meinem Kamera-Drang allein auf weiter Flur da, aber inzwischen finden sich immer mehr „Mitstreiter“. Bei schweren Geräten wie der Pentax oder der Pentacon Six würde ich aber glaube ich echt die Linie ziehen…oder? ;)

  • Seemannsgarn spinnen - Lomoherz
    Posted at 08:01h, 09 Mai Antworten

    […] falls ihr wie wir nicht auf eure analogen Kameras verzicht mögt, wollt und könnt, dann schaut mal hier und hier. Hinter den Links verstecken sich kompakte Reisetipps für Analog-Verrückte ;) Wenn ich […]

Und was meinst du so? (Angaben freiwillig)

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