Grüesst euch miteinand‘ – Mit dem Zug durch die Schweiz

Grüesst euch miteinand‘ – Mit dem Zug durch die Schweiz

Verzeiht: Mein erster Gedanke nach dem Beginn unserer Reise war nicht Oh wie schön wird die Schweiz, sondern Wenn es noch ein Grad heißer wird, kann ich für nichts mehr garantieren.
Mein Jahresurlaub hatte vor Kurzem begonnen, europaweit rief man gerade so etwas wie eine Sahara-Hitze aus und zu Hause warteten genau 2 Dinge auf mich: Strand und Meer. Stattdessen überwand ich gerade so meine Flugangst, stieg in ein winziges Passagierflugzeug, in dem es unterwegs verdächtig knallte und flog direkt in einen Kessel Heißes, in dem es ganz sicher keine erfrischende Meeresbrise geben würde.
Während des Flugs von Hamburg nach Basel schiele ich zu meiner Reisebegleitung hinüber und bemerke ein verdächtig scharfes Ausatmen zur Selbstkühlung und ihr Getüftel, die Mini-Ventilatoren im Flugzeug richtig einzustellen, nur um festzustellen, dass der Luftzug gerademal bis zum Oberarm reicht. Wenigstens bin ich nicht allein.
Darf ich vorstellen: Jule und Conny – Reisereporterinnen aus Warnemünde und Stralsund, zumindest für diese eine Woche in der Schweiz. Eingeladen von der Markenjury (G+J) und dem Schweiztourismus freuen wir uns wie Bolle als Flachlandtiroler dem Ruf der Berge zu folgen und einem ausgeklügelten Reiseplan nachzukommen, der uns dazu verleitete ohne größere Vorbereitungen in den (Arbeits-)Urlaub aufzubrechen.

 

Willkommen auf unserer Gourmet- und Abenteuerreise durch das Berner Oberland in der Schweiz.

Postkarte_Gourmet_LomoherzDie Gourmetreise. Zuerst stellten wir uns darunter ausgefallene Restaurants und exquisite Speisen vor, die man vielleicht nicht in erster Linie mit der Schweiz verbinden würde. Schnell wurde klar, dass wir unter dem Punkt Gourmet die Schweizer Klassiker abgreifen würden, was uns mindestens genauso lieb war: Käse und Schokolade – gibt es etwas Schöneres in der Welt? Neben den geplanten Gourmetstationen wurden wir auch ungefragt umfassend mit Schweizer Leckerli versorgt und mir wurde bewusst, dass ich noch nie so viel Schokolade in so einer kurzen Zeit zu mir genommen habe. Es ist eigentlich ein Wunder, dass Jule und ich keinen Schoki-Schock bekamen. Hätte ich halbnackt auf dem Hoteldach getanzt und mit Konfetti um mich geworfen – ich hätte alles auf den unkontrollierten Konsum von Schweizer Schokolade geschoben. Aber wir taten nichts dergleichen, denn als Ausgleich bekamen wir das Thema Abenteuer auf den Reiseplan geschrieben. Wanderungen und Spaziergänge kombiniert mit Temperaturen um den persönlichen Siedepunkt sorgten dafür, dass wir die Schweizer Leckerli fast genauso schnell ausschwitzten wie wir sie zu uns nahmen.

Und so wurde unsere Reise durch das Berner Oberland zu einem ungemein abwechslungsreichen Engagement, zu einer leibhaftigen Berg- und Talfahrt, denn unterschiedlicher hätten die einzelnen Stationen nicht sein können: vom quirlig französischen Montreux bis ins traditionell urige Gstaad, vom modernen Top of Europe – dem Jungfraujoch – hinunter ins Freilichtmuseum Ballenberg, in dem die Zeit absichtlich still steht, von der Schokoladen- zur Käseherstellung, von Biskuit zu Lachs, vom Flussschwimmen in der Großstadt bis zum spiegelglatten Bachalpsee auf über 1000m Höhe.
Und alles endete damit, dass wir in unserem Zug gen Norddeutschland saßen, die Tage Revue passieren ließen und uns fragten warum zum Teufel wir nicht länger geblieben sind.

Postkarte_Interlaken_Lomoherz

Interlaken war nicht die ruhige, bedächtige Schweizer Kleinstadt, die wir erwartet hatten. Interlaken ist bunt, international und langgezogen, eingeteilt in Interlaken West, Zentrum und Interlaken Ost. Und Interlaken ist ein echter Hotspot: Für Schweizer, die hier das Herz ihrer Heimat erkunden, für Deutsche und Österreicher, die von hier aus in alle Richtungen ausschwirren, für Koreaner, Chinesen und Japaner, die hier ein Häkchen hinter Europe in a Week machen, für Inder, die kurioserweise im Indian Village untergebracht sind und sogar für Backpacker, bei denen man nicht anders kann, als sich zu fragen, ob sie für diesen Trip gerade ihre linke Niere verkauft haben.
Neben den Attraktionen, die die Stadt selbst bietet (ich sag‘ nur Paragliding!), ist Interlaken vor allem ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die gesamte Schweiz.

Überrascht waren wir stets vom türkis-blauen Wasser, das Interlaken (inter laken = zwischen den Seen), aber auch andere Städte umgibt. Hinterher las ich in fast jeder Broschüre und auf Pinterest, dass diese Gegend für das karibisch-blaue Wasser berühmt sei, aber ich war völlig unbedarft in dieses Land gereist und konnte so den Überraschungseffekt in vollen Zügen genießen. Ein Mix aus Tiefe und Spiegelung von Bergen und Himmel soll den Seen ihre außergewöhnliche Farbe verleihen. An nur ein oder zwei Tagen hatten sie etwas von ihrem Glanz verloren und wogen in einem matten Grau hin und her. Und tatsächlich, als wir unsere Köpfe gen Himmel reckten, war dieser sturmumtost.

Von oben betrachtet schaut die Region um Interlaken herum übrigens wie ein Bumerang aus. An der Spitze liegt die 5.600  Einwohner große Stadt, zu ihrer Rechten und ihrer Linken weiten sich der Brienzer und Thuner See aus und am abflachenden Ufer umragen die Gestirne Jungfrau, Eiger und Mönch dieses Spiel wie ein Schutzwall – immergrün mit ewigweißen Berggipfeln. Der Ausdruck Bilderbuch-Schweiz beschreibt die gesamte Szenerie hier schon sehr gut.

Die Anreise. Wenn man nicht gerade wie wir aus dem nordöstlichsten Winkel Deutschlands kommt, ist die Schweiz eigentlich sehr gut zu erreichen. Gerade mal 3 Autostunden von München entfernt, verfügen die großen Städte wie Basel, Bern oder Zürich über internationale Flughäfen. Für die Anreise fliegen wir von Hamburg bis nach Basel , nur um festzustellen, dass die Abreise mit dem Zug ungefähr die gleiche Zeit in Anspruch nimmt. Das Besondere an dem Flughafen in Basel ist, dass es ein Dreiländerflughafen ist. Als wir unseren Koffer vom Band holen, und Richtung Ausgang sputen, können wir uns quasi aussuchen, ob wir in die Schweiz, nach Frankreich oder nach Deutschland gehen wollen. (Zumindest theoretisch gesprochen, denn alles was wir sahen, waren 3 Länderflaggen, die in verschiedene Richtungen zeigen). Weiter geht es mit der Bahn und dem Swiss Travel Pass von Basel nach Interlaken. Der Swiss Travel Pass – eine Art All-in-one-Ticket für die gesamte Schweiz – ist für uns in dieser Woche Gold wert, denn er bringt uns überhall hin, egal ob mit Bahn, Bus oder Schiff – und das in der 1. Klasse. Stressfrei, gemütlich und absolut empfehlenswert.

Interlaken © Lomoherz Instagram

Als Sprachwissenschaftlerin (hüstl) kann ich nicht umhin, gleich vom ersten Tag an meine Ohren zu spitzen und die Andersartigkeit des schwizerdütsch wie eine frisch gezuckerte Pampelmuse aufzusaugen. Immer wieder fällt es mir auf, solange, bis meine Reisebegleitung das Augenrollen nicht mehr vor mir verbergen kann. Aber es ist wirklich einmalig. Es gibt so viele neue Wörter, so viele -li’s am Ende und Betonungen werden wild nach vorne verschoben, wie in hOtel und rEStaurant und bÜRRo. In ganzen Sätzen klingt Deutsch plötzlich nicht mehr hart und gehetzt, sondern langegezogen wie ein Schweizer rAClette-Käse, dessen schmelzende Oberschicht gerade auf einen Frühstückteller geschabt wird.
Einige Schweizer, die wir unterwegs kennenlernen, behaupten sogar, hochdeutsch zu sprechen wäre extrem anstrengend für sie, dass ihnen Englisch und/oder Französisch in dieser Hinsicht viel leichter fallen würde. Aha. Und das, obwohl hochdeutsch, oder wie die Schweizer sagen – das Schrift-Deutsch, noch vor Französisch und Englisch in der Schule gelehrt wird. Letztere Reihenfolge gilt noch heute, auch wenn eine neue Generation der englischen Sprache bereits mehr Gewichtung gegenüber dem Französischen zuspricht und sich für einen Wechsel der beiden Sprachen einsetzt.

Übernachtet haben wir die ganze Woche im Interlakener Carlton-Europe Hotel, einem gemütlichen Drei-Sterne-Hotel, das sich die Architektur und das Mobiliar aus der Jugendstil-Epoche bewahrt hat und somit eine charmante Atmosphäre bietet. Wir hatten ein großzügig geschnittenes Zimmer mit riesigem Doppelbett und Balkon. Zur Nacht haben wir Fenster und Balkontür weit aufgerissen und nur die halb-transparenten Vorhänge darüber gezogen. Und wenn wir dann morgens aufwachten und von irgendwo ein Lüftchen herkam, das die Gardinen auseinanderbreitete, sahen wir im weiß-durchsichtigen Schleier die Sonne hinter den hohen Bergen aufgehen.
Das absolut Beste an diesem Hotel war allerdings der neue Anbau an der Terrasse: ein Naturbadeteich! Sobald Jule und ich uns halbwegs eingerichtet hatten sprangen wir hinein, was sich zu einer Art abendlichem Ritual entwickeln sollte. Dazu trällerten wir ein Best-Of Medley aus Arielle, die Meerjungfrau. (Oder kühlten unser Bier, da in unserem Zimmer leider kein Kühlschrank vorhanden war, aber pssst!)

Naturbadeteich © Lomoherz Instagram (1)

Ein weiteres Ritual wurde unser Abendessen in der Taverne, das zum Hotel Interlaken gehört. Anfangs probierten wir noch andere Restaurants aus, die Taverne hatten wir ursprünglich „nur“ gewählt, weil sie relativ nah an unserem Hotel lag, aber keine andere Gastwirtschaft konnte es so recht mit den leckeren und großartig inszenierten Speisen aufnehmen (s. die Gourmet-Bilder weiter oben;). Das Restaurant hat einen Stern (könnten aber auch mehr sein) und ist drinnen wie auch draußen sehr gemütlich und stilvoll eingerichtet. Bei den sommerlichen Temperaturen haben wir natürlich jeden Abend draußen gesessen und gegessen und konnten nebenbei die Kois (bzw. die Koi-Touristen) in dem künstlich angelegten Teich direkt neben uns beobachten.

Gourmet Taverne © Lomoherz Instagram

Morgen geht es dann richtig los: begleitet uns ins schweiz-französische Montreux und ins urige Deluxe-Dorf Gstaad!

 

………………………..

 

An dieser Stelle ein herzliches Danke vielmals an die Markenjury, an Schweiztourismus und an alle Beteiligten, die diese Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben.

Ein extra Dankeschön gilt meiner entzückenden Reisebegleitung Jule, die mir tatkräftig dabei half, die Reise in Impressionen festzuhalten. Ihre Bilder seht ihr ebenfalls in diesem Post.

Ein letzter kleiner Hinweis: Aufgrund der vielen Bilder, und um Geduld, Gewicht und Ladezeit zu schonen, sind alle Fotos komprimiert worden, d. h. ihr seht eine relativ niedrig aufgelöste Variante der Originalbilder.

Alle Schweiz-Reortagen im Überblick findet ihr hier!

Euer Lomoherzli

 

 

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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8 Comments
  • Paleica
    Posted at 09:14h, 10 August Antworten

    so, ich habe jetzt schlauerweise von hinten nach vorn gelesen. macht aber auch nix. ganz toll. ich hätte auch nichts dagegen, mal auf so eine reise eingeladen zu werden :D schön schauts aus. und ja, das schweizerdeutsch. was ganz eigenes :)

    • Lomoherz
      Posted at 12:22h, 26 August Antworten

      Die Reihenfolge ist in der Tat beliebig, sind zu 90% Stand-alones ;) Und da ich auch gerade von hinten nach vorne antworte, macht das gar nix :) Ich freue mich, dass du dir die Zeit genommen hast, uns auf unseren Touren zu begleiten, zumindest virtuell. Aber auch sonst hätten du, dein Blog und dein Fotografien wirklich sehr gut zu dieser Kampagne gepasst. Ich geb auf jeden Fall Bescheid, falls ich etwas höre oder sie nochmal wiederholt werden sollte :)

  • Dani
    Posted at 11:53h, 11 August Antworten

    Wie toll! Ich würde auch gern zu einem Urlaub in die Schweiz eingeladen werden, sonst ist mir das nämlich echt zu kostspielig. Aber nach deinen Berichten und den schönen Fotos habe ich jetzt echt Lust auf die Schweizer Berge und Seen.

    • Lomoherz
      Posted at 12:17h, 26 August Antworten

      Danke, liebe Dani! Dein Einwand ist durchaus berechtigt. Die Schweiz ist wirklich sehr kostspielig. Trotzdem überlegen Jule und ich, ob wir in den nächsten Jahren nicht mal eine Art City-Hopping durch die Schweiz machen, die Städte dort sind nämlich zu schön. Und vll darf man ja in der Schweiz sogar wild campen? Dann würden wir das vor den Stadttoren direkt tun ;)
      Liebe Grüße!

  • Hotel Interlaken
    Posted at 09:59h, 24 August Antworten

    Vielen Dank für den Tollen Bericht. Isch super gsi u mir händ ächt Fröid gha :-)

    • Lomoherz
      Posted at 11:13h, 24 August Antworten

      Sehr gerne! Ich weiß nur leider nicht, wie ich auf den 2. Satz antworten kann :D

  • GlassesShop
    Posted at 03:40h, 18 November Antworten

    Nice post, love your blog!

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