Kalenner Deern: Saatmaand

Kalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

Kalenner Deern: Saatmaand

Kalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

 

Under the autumn tree
The chair where you would swing
A yard so full of leaves
Comfort me

(Milo Greene, Autumn Tree)

 

Kalenner Deern Oktober Lena (c) LomoherzKalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

 

Ende Oktober zog Herwart mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 125 Kilometern pro Stunde über den Norden und Osten Deutschlands. Und wir mittendrin, das Oktobermädchen und ich. In einen echten Wald trauen wir uns nicht und so verschlägt es uns auf ein Feld voller verblühter Sonnenblumen. Etwas morbide Stimmung in Erwartung auf den kargen Winter darf es schon sein. Und dann ist da noch der Kontrast zu meinem strahlenden Model. Aber die Sonnenblumen sind dem Sturm bereits erlegen.
Nebenan stehen ein paar Bäume mit einer kleinen Lichtung. Wir stellen uns in den Wind und so, dass man die Straßen auf beiden Seiten nicht sieht. Haare, Schal und Laub wirbeln durch die Luft während ich mich an meinen Kameras festhalte und Lena ihre Hände tief in die Manteltaschen steckt. Wie durch ein Wunder halten sich noch immer Blätter an den Ästen die wild in die Fluchten peitschen.

 

Kalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

Kalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

 

Auch als August-Mädchen kann ich den Oktober ganz gut leiden. Mir auf die Füße getreten ist er allerdings erst in Gestalt des Indian Summers, der mich zum Blätterklau und ersten leaf peeping inspiriert hat. Beim leaf peeping wird minutiös beobachtet, wie sich die Blätter langsam verfärben, zumeist von Fotografen. Die leuchtenden Farben des nordamerikanischen Herbsts sind absolut magisch, denn diese Art von Farbspektrum findet man bei uns nicht. Ich kam damals genau zu Beginn des Indian Summers in den USA an und traute meinen Augen kaum. Da wird sogar ein Sommermädchen schwach.
Es ist das Spiel mit den Kontrasten, der strahlend blaue Himmel, der mit dieser trockenen und ungewöhnlich warmen Wetterperiode meist einher geht. Von weitem betrachtet ergibt sich ein derart intensives Farbenspiel, als hätte man kräftig am Sättigungsregler gedreht. Hinzu kommen, abhängig von Region und Vegetation, die Ahorn-Bäume, deren Blätter sich im Herbst tief rot färben. Den schönsten Indian Summer soll es übrigens im Bundesstaat Vermont geben.

 

Kalenner Deern Oktober Lena (c) LomoherzKalenner Deern Oktober Lena (c) LomoherzKalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

 

September, November, Dezember. Warum eigentlich nicht Oktember? Übersetzt aus dem Lateinischen leitet sich die Zahl acht („octo“) ab, eine logische Wahl. Denn würde das Jahr immer noch mit dem März beginnen, wäre der Oktober heute noch der achte Monat im Jahr.
Zwischendurch hieß er mal Domitianus und – jetzt haltet euch fest – Hercules. Wäre das nicht der absolute Gewinner?! Wann war noch mal dein Geburtstag? Im Sommer? Nee nee, du, im Hercules.
Es gab auch Vorschläge aus dem römischen Senat, den Oktober nach den starken Frauen hinter den Kaisern zu benennen. Zum Beispiel nach Mutti Livia in Livius oder nach Ehefrau Faustina in Faustinus. Aber die Männer lehnten überraschender Weise ab.
Im deutschsprachigen Raum schmückte man sich mit den Namen Weinmonat (für die Weinlese) oder Dachsmond (für die Jäger), weil auch unsere Vorfahren schon unglaublich praktisch veranlagt waren. Im absoluten Kontrast zum lässigen Hercules steht allerdings die altdeutsche Bezeichnung Gilbhart. Ein echter Stimmungskiller, auch wenn der Name für den Goldenen Herbst steht.
Knapp 2.000 Jahre später heißt der Oktober immer noch … Oktober.

 

Kalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

Kalenner Deern Oktober Lena (c) LomoherzKalenner Deern Oktober Lena (c) Lomoherz

 

Der Begriff Saatmaand stammt übrigens aus dem Plattdeutschen und bedeutet sowohl Saatmond als auch, ihr ahnt es schon: Oktober.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an die sturmfeste Lena, die spontan mit mir geshootet hat und zwischen Laub, orkanartigen Böen und Wolken eine ganz klare und schnörkellose Ausstrahlung bewies.

Alle Kalenner Deern.

 

****

 

Alle Bilder wurden in Stralsund-Brandshagen mit einer analogen Film-Kamera aufgenommen. Kein Photoshop (bis auf die Titelbilder), keine Filter oder sonstiges.
Einfach pure Film-Fotografie.

 

Model: Lena

Kamera: Kiev 60

Film: Fuji Pro 400H

Entwicklung & Scan: Mein Film Lab (ausgenommen Bild 7)

Alle Bilder werden in geringer Auflösung gezeigt.

Lomoherz
Folgt mir

Lomoherz

Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
Lomoherz
Folgt mir
1Comment
  • Zeitlauf
    Posted at 21:03h, 19 November Antworten

    Immer wenn ich so tolle Portraitreihen sehe, plagt mich mein schlechtes Gewissen, da ich mir ja fest vorgenommen hatte auch mehr in diese Richtung zu machen. Tja… ich glaube ich muß mich wiedermal selber in den Arschtreten ;-) .
    Alles Liebe und Danke für teilen deiner Portraitreihe !
    LG Peter

Und was meinst du so? (Angaben freiwillig)

Voriger Artikel
Voriger Artikel
Hurra, hurra, die neuen Kalender sind da! Im Stil von…
%d Bloggern gefällt das: