Wie digitalisiere ich Negative und Bilder vom Film?

Wie digitalisiere ich Negative und Bilder vom Film?

Nach der Filmentwicklung halten wir Abzüge und/oder Negative in der Hand. Aber wie kommen die jetzt digitalisiert auf die Festplatte? Ich zeige euch wie!

Eins sage ich allerdings gleich vorweg: Ein Fan des selber scannens bin ich nicht gerade. Zu zeitaufwendig und zu wenig Schärfe für meinen Geschmack. Meinen (Durchlicht)-Scanner möchte ich aber trotzdem auf gar keinen Fall missen.

Welchen Scanner brauche ich?

Ihr müsst zunächst unterscheiden, was ihr digitalisieren wollt – eure Abzüge, also die Papierbilder oder die originalen Negative. Für Option 1 reicht ein ganz normaler Scanner, für Option 2 benötigt ihr einen Durchlichtscanner. Das sind Scanner, bei denen man i.d.R. eine Platte im Deckel entfernen kann, um eine weitere Scanfläche freizulegen.

Beispiele für Durchlichtscanner sind der CanoScan 9000f und der Epson Perfection. Unter Lomographen sind beide sehr beliebt und fast schon Standard.

Kosten: Ab 200 € für einen neuen CanoScan oder Epson. Ich habe den CanoScan 9000f Mark II.

Scanner Filme scannen (c) Lomoherz

Was sind Vor- und Nachteile von einem eigenen Scanner und Negative scannen lassen?

Ganz am Anfang meiner Lomozeit habe ich meine Papierbilder mit meinem 3-in-1 Scanner-Drucker-Kopierer gescannt. Manchmal mache ich das immer noch. Und obwohl ich inzwischen einen sehr viel besseren Scanner habe, sehen Papierbilder-Scans immer (noch) irgendwie schrammelig aus, alles unter dem 10 x 15 cm Format geht meistens gar nicht.
Von dieser Art der Digitalisierung würde ich also ohnehin eher abraten.
Tatsächlich ist es aber oft so, dass ich beim Scannen meiner Negative mit dem Durchlichtscanner nicht die gleichen Farben bekomme, die auf den Papierfotos zu sehen sind. Das ärgert mich vor allem bei X-Pro-Farben und ist der Grund, weshalb ich manchmal eben doch die Papierfotos scanne.

Bei Sofortbildern (Instax, Impossible) hat man natürlich keine Wahl, die lassen sich nur so scannen, wobei es von Impossible mittlerweile eine gute App gibt, um seine Polas zu digitalisieren.

Unabdingbar ist mein Durchlichtscanner auch, wenn ich Negativstreifen von Panoramabildern (z.B. mit der Horizon- oder Bel-Air-Kamera aufgenommen) oder Negative scanne, bei denen die Sprockets, also die kleinen Löcher am oberen und unteren Rand des Streifens, mitbelichtet wurden (z.B. mit der Sprocket Rocket oder der Spinner-Kamera). Pocketfilme (110-Filme) lassen sich ebenfalls leicht scannen.

Ich scanne auch gerne mal Schwarz-Weiß-Filme sowie Mittelformatfilme selbst, wenn ich sie billig entwickeln lassen habe. Wenn ich meine Filme bei anspruchsvollen Laboren abgebe, bestelle ich i.d.R. die Scans gleich mit. Allerdings solltet ihr bei dieser Option beachten, dass nicht alle Labore alle Formate digitalisieren können.

Scanner Filme scannen (c) Lomoherz

Für alle Filmformate gibt es jedoch Masken, die entweder als Zubehör beim eigenen Scanner mitgeliefert werden oder die man bei Lomography erwerben kann (vor allem wenn man Sprockets scannen will).

Der große Nachteil von Hausgebrauch-Scannern und damit der Vorteil des scannen lassens ist allerdings Schärfe, Farben und Zeit.
Mit den oben erwähnten Scanner-Modellen kommt man einfach nicht an die scharfen Ergebnisse professioneller Scanner heran, was vor allem bei Portrait-Aufnahmen sehr schade ist.
Und dafür einen halben Samstag opfern? Überleg ich mir dann schon zweimal.
Auch X-Pro Farben bekomme ich nicht ohne Weiteres so knallig gescannt wie sie eigentlich sind.

Hier seht ihr den direkten Vergleich – die Bilder in X-Pro-Farben auf der linken Seite habe ich selbst gescannt, die rechten Bilder wurde professionell gescannt:

Wo kann ich meine Negative scannen lassen?

Meistens besteht die Möglichkeit, die Negative vom Labor gleich mit scannen zu lassen. Eine Übersicht an Laboren, die noch Filme entwickeln/scannen und die ich alle selbst getestet habe, findet ihr hier.

Hat dies nach der Entwicklung aus einem unerfindlichen Grund nicht geklappt (Cewe scannt meine X-Pro Negative z.B. nur nach Laune, egal wie oft ich Negative bitte scannen auf die Tasche schreibe) oder ihr seid so von euren tollen Ergebnissen überrascht, dass ihr die Bilder – und zwar von den richtigen Negativen – im Nachhinein digitalisieren lassen wollt, bieten viele Labore einen zusätzlichen Scan-Service an, auch gänzlich ohne Entwicklung. Die Preise sind meistens nach der Anzahl der eingereichten Negativ-Streifen gestaffelt.

Normale 35mm-Streifen, also Kleinbildfilme, nehmen i.d.R. alle Labore an, bei Mittelformat (120) und Pocketfilmformat (110) solltet ihr euch vorher informieren, auch was den Preis betrifft. Es macht dabei keinen Unterschied, ob  es X-Pro Bilder sind, allerdings ist der Scan von Sonderformaten wie Dias oder Panoramen meistens sehr kostspielig. Hier solltet ihr euch unbedingt vorher absichern, bevor es am Ende böse Überraschungen gibt.

Professionell scannen lassen

Beachtet bitte, dass jedes Labor andere Farb- bzw. Scanprofile und unterschiedliche Scanner verwendet. Ich habe mal denselben Negativstreifen bei zwei unterschiedlichen Laboren scannen lassen und bekam zwei unterschiedliche Ergebnisse zurück.

Für den Scan von Standard-Formaten (35mm, 120 – Farbnegativ, Dia, S/W) kann ich das MeinFilmLab wärmstens empfehlen (zusammen mit der Filmentwicklung). Bei MFL könnt ihr genau angeben, auf welche Ergebnisse und Scan-Größe ihr aus seid und sie digitalisieren eure Filmstreifen sehr professionell und sorgfältig.
Diese Art erinnert mich an die tollen amerikanischen Fotolabore, bei denen man sich (natürlich gegen einen Aufpreis) sogar eigene Farbprofile anlegen lassen kann.

Für Übergrößen (z.B. Panoramen) und Besonderheiten (z.B. belichtete Sprockets) bietet sich das LomoLab oder das Fotofachlabor Wacker an.

Scanner Filme scannen (c) Lomoherz

Welche (günstigen) Alternativen gibt es?

Es gibt sicherlich auch günstigere Wege, seine Negative zu digitalisieren. Meistens gehen diese aber auch immer mit einem Verlust von Qualität einher. Neben den Billig-Scans der Drogerien ließe sich theoretisch auch selbst Hand anlegen. Man könnte zum Beispiel die Negative auf eine Lightbox legen (bzw. auf ein Tablet mit entsprechender App), sie mit einer guten Kamera abfotografieren und dann die Farben in Photoshop o.ä. umwandeln. Nichts anderes passiert eigentlich mit den handlichen Negativ-Scannern, die damit werben, alte Filmschätze zu digitalisieren.

Für die ständige Arbeit mit der Filmfotografie finde ich diese Optionen allerdings eher ungeeignet und verwende sie höchstens, um schon mal zu luschern und meine Neugier zu befriedigen ;)

Scanner Filme scannen (c) Lomoherz

An meine Analog-Freunde da draußen – wie handhabt ihr das? Scannt ihr konsequent selbst oder lasst ihr lieber scannen? Mal so, mal so?

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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Letzte Artikel von Lomoherz (Alle anzeigen)

10 Comments
  • Anne
    Posted at 00:07h, 25 Januar Antworten

    da sprichst du ja ein Thema an… :) ich bin vom Abzüge scannen, über Negative mit nem speziellen Drucker scannen mittlerweile bei scannen lassen angekommen. in meinem Labor bekomm ich für knapp 15 euro die Entwicklung, 36 Abzüge in 10×15 und Scans – das ist unschlagbar in Bezug auf Zeit und Geld, die Qualität ist supi. Wobei das selber scannen auch Spass macht, aber ich das dann nicht mehr machen konnte, weil mein (neuerer) Laptop nicht mehr mit dem (vermeintlich älteren) Negativscanner kompatibel war. Danke dir in jedem Fall für die nette Übersicht! und liebe Grüße!

    • Lomoherz
      Posted at 21:55h, 26 Januar Antworten

      Bei mir verlief die Entwicklung ganz ähnlich, liebe Anne :) Jetzt zahle ich ca 12 Euro plus Porto für Entwicklung und Scan und hab zeitlich wirklich null Aufwand und beste Qualität – ein Segen für Scan- und Retuschefaule wie mir ^^
      Welchen Scanner hattest du denn genommen, so lange es noch ging?

  • Jürgen
    Posted at 00:33h, 25 Januar Antworten

    Hi Conny, super überblick. Ich scann normalerweise daheim am Scanner. Das erinnert mich daran, ich muss noch nen Film entwickeln lassen…

    • Lomoherz
      Posted at 21:50h, 26 Januar Antworten

      Freut mich, dass ich dir eine Erinnerungsstütze sein konnte, Jürgen ;)
      Welchen Scanner benutzt du?

      • Jürgen
        Posted at 13:47h, 01 Februar Antworten

        Ich habe einen uralten Epson (V-Reihe).
        Dieser Scanner ist der Grund weshalb ich mein Windows nicht auf Windows 10 Update, da ich Angst habe, dass dann meine ScanSoftware nicht mehr funktioniert.
        Aber er kann Mittelformat und kostete mich in der Bucht ca. 20,-.

        Viele Grüße Jürgen

  • Marcel
    Posted at 21:28h, 25 Januar Antworten

    Ich entwickle und scanne alles selbst. ☺ Gefällt mir mit Abstand am besten. Aber manchmal sitzt man an einem guten mf-Bild dann eben auch mal ne halbe Stunde oder so. Ist es wert.

    • Lomoherz
      Posted at 21:48h, 26 Januar Antworten

      Ich finde das total schön, dass das bei dir so ist. Ich werde damit auch nach 3 Jahren irgendwie nicht warm. Der Haus-Scanner schöpft aus meiner Sicht einfach nicht das ganze glorreiche Potential aus dem Film und dann tut es mir immer um den schönen Film leid…

  • Thomas
    Posted at 09:00h, 20 Februar Antworten

    Vielen Dank für den anregenden Artikel.

    Das Thema Scannen beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Einen passenden Scanner für Negative habe ich noch nicht. Ich werde mir wohl einen Epson kaufen. Im Moment überlege ich noch ob ich über 200 Euro mehr ausgeben soll für ein größeres Modell welches mir es auch erlaubt Großformatnegative zu scannen. Großformat mache ich derzeit noch nicht, aber es ist halt ein Thema welches mich sehr reizt. Denke das kommt in den nächsten ein oder zwei Jahren. Dann ärgere ich mich vermutlich weil ich keine Option habe diese großen Negative zu scannen.

    Was mich interessieren würde wäre mal ein Vergleich zwischen einem Flachbettscanner mit Durchlichteinheit und einem Negativscanner.

    Bisher lasse ich meine Negative auch bei MeinFilmLab scannen.

  • Katha K
    Posted at 20:16h, 06 März Antworten

    Ich war mit den Farben beim selbst scannen (Durchlichtscanner von nem Verwandten, leider keine Ahnung welches Modell) auch sehr unzufrieden.. Die waren viel blasser als die Farben auf dem Papier, sehr schade. Ich bin dann erstmal aufs Abfotografieren der Abzüge mit einer digitalen Spiegelreflexkamera umgestiegen. Demnächst werde ich aber mal schauen dass ich eine CD beim Entwickeln mitbestelle, das wird hoffentlich für eine bessere Auflösung sorgen.

    • Lomoherz
      Posted at 21:00h, 10 März Antworten

      Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Wenn du die Scans mitbestellst, werden sie dir garantiert besser gefallen. Aber auch da gibt es natürlich qualitative Unterschiede…aber erstmal eins nach dem anderen ;) Viel Spaß weiterhin!

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