Ein Museum unter freiem Himmel

Ein Museum unter freiem Himmel

Auch auf die Gefahr hin, dass einige von euch gleich in schweres Gähnen ausbrechen werden: heute möchte ich euch in ein Museum mitnehmen: in das Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel.

Nach dieser langen grauen Winterstrecke dachte ich, es wäre mal Zeit für ein bisschen Farbe, grün insbesondere, das hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt…

Wenn ich mich zwischen einem Kunst-, einem Heimat- und einem Freilichtmuseum entscheiden müsste, würde meine Wahl wahrscheinlich auf letzteres fallen.
Bilder ansehen macht Spaß und Heimatmuseen sind gar nicht so staubig wie ihr Name, aber in so einem Freilichtmuseum ist die Vergangenheit und vor allem der Alltag darin so gegenwärtig, dass ich mich sofort mit Schürze, Haartuch und Waschbrett am Dorfbrunnen stehen sehe ;)

Freilichtmuseum Molfsee (c) Lomoherz (19)

Gerade erst hat das neue Jahr begonnen, 2015 inzwischen, und unsere Zeit ist randvoll mit Innovationen und Start-Ups. In der Vergangenheit sollte man wohl nicht zu lange verweilen, aber ist es nicht etwas völlig anderes, wenn uns diese Vergangenheit gar nicht gehört? Wir kennen sie nur aus Erzählungen, aus Geschichten und Büchern und immer mal treffen wir jemanden, der behauptet, in der falschen Zeit geboren zu sein. Was wäre also, wenn die Zeit ein paar Generationen übersprungen hätte und uns viel früher auf diese Welt losgelassen hätte? Wenn ihr herausfinden wollt, wie sich das anfühlen könnte, ist ein Besuch in Molfsee unbedingt empfehlenswert!

Freilichtmuseum Molfsee (c) Lomoherz (23)

Geht man durch diese Häuser, die vor Jahrzehnten, teilweise Jahrhunderten gebaut worden sind, dann sieht man ihre Geschichten. Zugegeben, das Museum macht es einem ziemlich leicht, denn viele Räume sind mit alt-echtem Mobiliar und „Deko-Hausrat“ eingerichtet, auch wenn diese Dinge wahrscheinlich nie in diesem oder jenem Haus standen.

Über 70 historische Gebäude sind auf insgesamt 60 Hektar verteilt, mitten in der Natur zwischen Wiesen, Feldern und Teichen, absolut idyllisch. Hofanlagen und Mühlen aus verschiedenen Landschaften Schleswig-Holsteins geben einen lebendigen Eindruck vom Wohnen und Wirtschaften vergangener Jahrhunderte. Tiere, die wie früher gehalten werden, duftende Gärten und trocknende Kräuter machen den Eindruck von der „guten alten Zeit“ perfekt… vor allem an sonnigen Tagen.

Die Feuerstellen in den Häusern, die alten Schulen, die Schafe mit ihren Lämmern und das Licht-Flackern zwischen den alten Linden verführen einen fast dazu, sich nur noch auf das Wesentliche konzentrieren zu wollen, auf das Natürliche, Folklore, wie es auch gerade wieder in Wohnkultur, Musik und anderen Dingen trendet. Utensilien, die dem Alltag angehörten und sicherlich nicht besonders beachtet oder als besonders schön erachtet wurden, ziehen als „Shabby Chic Deko“ bei uns ein. Milchkannen werden zu Bodenvasen, Wagenräder zu Chandeliers und verschrobene Harken zu noblen Weinglashaltern. Auf einmal mögen wir wieder die ollen alten Sachen und durchwühlen den muffigen Dachboden nach Omas Kostbarkeiten, die wir vor 10 Jahren achtlos auf den Sperrmüll geworfen hätten. Mir gefällt’s. Kein Wunder also, dass ich streberhaft jede Ecke des Museums erkundet habe, aber mit einer Kamera in der Hand ist das auch nicht besonders schwer…

Je nachdem, an welchem Wochentag man diese Zeitreise antritt, werden vor den Augen der Besucher Körbe geflochten, Käse hergestellt oder Brot im alten Ofen gebacken; gewebt, getöpfert, geschmiedet. Stilecht demonstrieren die Handwerker ihr traditionsreiches Können. Teilweise kann man ihre Produkte sogar gleich mitnehmen. Und das sollte man auch, denn: das Freilichtmuseum in Molfsee ist unglaublich weitläufig. Man denkt, nach der Leichenkutsche und dem Esel schon alles gesehen zu haben, aber Pustekuchen. Es geht noch viel weiter, vorbei an dem nostalgischen Spielplatz mit Karussell und Schaukeln über die kleine Wegkreuzung hoch zur Mühle, zur Meierei und zur Apotheke. Zurück kann man dann aber mit der Bimmelbahn fahren :)

Das Freichlichtmuseum Molfsee zählt definitiv zu den Museen, die ganz viel Eindruck hinterlassen haben. Bei uns um die Ecke gibt es auch eins, das Freilichtmuseum Klockenhagen und die teilweise gelebten historischen Städte in Amerika haben noch mal ein ganz anderes, aber ebenso beeindruckendes Konzept, so auch in der alten Gold Rush Town Barkerville in Kanada. Den Gamle By („Die Alte Stadt“) in Aarhus, Dänemark ist ebenfalls ein wunderschönes Freilichtmuseum mit Bildern aus vergangenen Tagen. Picture perfect sozusagen.

Bis zur nächsten Zeitreise!

Conny

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Alle Bilder wurden mit einem Wittner Chrome 200D, einem Dia- , also Farbpositivfilm aufgenommen, den ich dieses Mal (ausnahmsweise) nicht gecrosst habe, weil ich die authentische Atmosphäre nicht verlieren wollte. Im Nachhinein war es aber trotzdem nicht die ideale Filmwahl, denn die Ergebnisse waren teilweise sehr grünstichig oder gelblich. Der Wittner Chrome eignet sich wohl doch besser zum Crossen…  Aufgenommen mit einer Praktica MTL 50.

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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9 Comments
  • Jürgens Fotobox
    Posted at 11:27h, 09 Februar Antworten

    Sommer! vielen Dank für die Wärme…

    Vielen dank auch für den Tipp, auch bei uns hier in Bayern gibt es einige Freilichtmuseen und die werden auf die To-Do-Liste für dieses Jahr gesetzt.

    Hoffentlich gibt es bei mir auch so schöne Bild-Ergebnisse wie bei dir.

    Tolle Atmosphäre.

    Viele Grüße Jürgen

    • Lomoherz
      Posted at 13:07h, 27 Februar Antworten

      Ja, ich fand auch, dass jetzt Zeit für Sommer und wärmere Gedanken ist!
      Auf jeden Fall, das würde ich auch machen! Eure Freilichtmuseen sehen bestimmt nocheinmal ganz anders aus, werde ich mir auch mal anschauen, wenn ich in der Nähe bin. Vielleicht kannst du mir dann ein besonderes Museum empfehlen?
      Und: Ich bin sogar überzeugt davon, dass du klasse Ergebnisse mitbringen wirst, ich kenn doch deinen Stil ;)
      Dankeschön!

  • Fee ist mein Name
    Posted at 20:05h, 09 Februar Antworten

    Ich stehe total auf Freilichtmuseen. Wir haben hier auch eins in der Nähe, das kommt dringend mal wieder auf die Liste ;)!

    • Lomoherz
      Posted at 13:04h, 27 Februar Antworten

      Danke Fee, ich hatte schon befürchtet ich stünde mit meiner Freilichtmuseen-Liebe allein auf weiter Flur ;)

  • Jessica
    Posted at 20:39h, 09 Februar Antworten

    Wunderschöne Bilder, da fühlt man sich wirklich in der Zeit zurück versetzt. Ich stehe ja auch total auf Downton Abbey oder Mr. Selfridge und solche Serien ‚von früher‘. In England war ich mal im Beamish Open Air Museum, das war auch total faszinierend!

    Liebe Grüße, Jessica

    • Lomoherz
      Posted at 13:01h, 27 Februar Antworten

      Ja, nicht? Diese Art Serien finde ich auch fanszinierend :)
      Beamish Open Air ist notiert! Vielen Dank für den Tipp!

  • Paleica
    Posted at 09:37h, 10 Februar Antworten

    da hast du ein paar wirklich schöne erinnerungsstücke fremder vergangenheiten mitgebracht! ich kenne so ein erlebnis auch aus roseggers waldheimat, das ist ähnlich, nur kleiner und über das leben der bauern aus dem 19. jahrhundert. war auch sehr faszinierend. besonders mag ich den blick von drinnen aus dem fenster. und den pfau natürlich :)

    • Lomoherz
      Posted at 13:00h, 27 Februar Antworten

      Roseggers Waldheimat? Das muss ich gleich mal googeln :)
      Lieben Dank für den Tipp und die Kür!

  • Ballenberg, Brienzer See und Harder Kulm - Mit dem Zug durch die Schweiz VI - Lomoherz
    Posted at 16:16h, 15 August Antworten

    […] des Ballenbergs. Im größten Freilichtmuseum der Schweiz – erwarte ich irgendwie ein zweites Molfsee, über das ich Anfang des Jahres berichtet hatte. Und in gewisser Weise ist es das auch. Als wir […]

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