Die Lomography Spinner 360°

Die Lomography Spinner 360°

Lomography Spinner 360°

Spinner? Wie in: ich spinne, du spinnst, wir spinnen? Ja und… ja! Man kann die lustigsten und verrücktesten 360° Bilder damit machen und bekommt wirklich jeden Freund, Passanten und Verweigerer mit aufs Bild – und manchmal sogar doppelt! Und diese wunderschönen Sprocket Holes … das ist Lomography vom Feinsten.

Als sie 2010 auf den Markt kam, kratzte mich die Spinner nicht die Bohne. Jetzt kann ich meine Finger kaum mehr von ihr lassen und meine vorherige Teilnahmslosigkeit nur schwer erklären. Vielleicht war ich zu schüchtern, vielleicht war ich überzeugt, dass ich niemals ein Bild mit ihr posten würde, aber das ist jetzt alles in der Vergangenheit. Wenn man für aberwitzige Panoramafotografie nur einmal kurz an der Leine ziehen muss …

Ich wünsche euch viel Vergnügen mit dem Spinner Kamera Review. Vergesst nicht, dass jeder Infokasten mit 3-4 Tabs ausgestattet ist, zwischen denen ihr hin und her schalten könnt und hinter denen sich alle möglichen Informationen verstecken :)

Spinner 360°

Lomographische AG

ca. 850 g

10 cm x 19,5 cm

schwarz

Ausstattung

25mm Weitwinkel

Blenden: Sonnig: f/16 – Wolkig: f/8

Fokus: 1m – unendlich, kein Sucher

zwischen 1/125 s und 1/250 s sowie manuell

Einen integrierten Belichtungsmesser gibt es nicht, hier ist Pi mal Daumen gefragt.

Die Kamera wurde für den ISO 400 Film gemacht und ist allgemein lichthungrig. Wenn nicht gerade Sommer ist, knipse ich in der Regel mit der Einstellung wolkig. Bei ISO 200 Filmen sollte dies immer der Fall sein.

Als Spinner-Accessoire gibt es den Motorizer. Man steckt den Kopf der Spinner darauf und bedient die Kamera mit einer Fernbedienung. Die Spinner dreht sich dann mithilfe eines Motors um sich selbst.
Die Bilder haben damit weniger Selfie-Charakter und man kann sich sogar ganz aus dem Bild nehmen. Mit der reinen Spinner gelingt das nur, wenn man die Kamera über dem Kopf haltend auslöst. Auf der anderen Seite ist der Motorizer aber nicht unbedingt ein Accessoire für unterwegs.

Einen Drahtauslöser kann man mit der regulären Spinner nicht benutzen, aber immerhin hat sie Stativgewinde und Blitzschuh. Ohne Motorizer braucht es keine Batterien für die Spinner.

Gut zu wissen

Die Spinner ist eine Kleinbildkamera. Das heißt, dass ihr ’normale‘ Filme im 135er Format (auch 35 mm Filme genannt) verwenden könnt, die ihr aus Drogeriemärkten kennt und von denen es in Online-Shops ganz spannende Sorten gibt.

Auf einem regulären Film mit 36 Bildern passen aufgrund des extremen Panoramaformats der Spinner etwa 8 Bilder.

Kleinbildfilme gibt es als Farbnegativ-, Schwarzweiß, Dia- und Redscale-Filme. Auf meiner Film-Seite seht ihr ein paar Beispiele.

Hier habe ich euch eine Übersicht zusammengestellt, welche Labore welche Filmformate entwickeln.  Auch mit Hinblick auf Preisklasse und Qualität.

Kleinbildformat/35 mm ist das gängigste Format, wenn es um die Entwicklung gibt. Daher könnt ihr eure Filme auch im Drogeriemarkt abgeben.

ABER: Wenn ihr Spinner-Filme bei Cewe, Mediamarkt, in Drogerien etc. abgebt, achtet unbedingt darauf, auf der Filmtüte “Negative nicht schneiden” zu vermerken. Ich lege zur Sicherheit noch einen Zettel in die Tüte. Denn die Negative sind ca. 4 mal länger als normale Negative und die Maschinen der Großlabore sind nicht auf dieses Format ausgerichtet. Das bedeutet auch, dass ihr keine Abzüge der Spinnerbilder von Großlaboren erhalten werdet. In der Regel handelt es sich also um eine reine Negativentwicklung.

Viele Kleinlabore wie das LomoLab oder Foto Wacker verarbeiten und scannen Panoramaformate ohne Probleme. Vor allem das LomoLab bietet u.a. Entwicklung, Scan und Abzüge dieses besonderen Formates an.

Alternativ kann man den Film natürlich auch selbst entwickeln, was immer einfacher wird und wofür man auch keine Dunkelkammer braucht, wenn man die Negative nur zum Scannen entwickelt und keine Abzüge anfertigen will.

Großlabore wie Cewe und Fuji scannen das extreme Panorama-Format der Spinner in der Regel nicht oder nur gegen einen höheren Aufpreis.

Da es auch keine richtigen Abzüge gibt, die man einscannen oder abfotografieren könnte, liegt eine Digitalisierung der Negative nahe. Entweder übernehmen das Kleinlabore (günstiger im Paket mit der Entwicklung) oder man übernimmt den Scan selbst. Dafür braucht man einen Durchlichtscanner und bestenfalls eine Scanmaske, um auch die Sprockets mit abzubilden. Lest hier mehr über die Digitalisierung von Negativen mit eigenem Scanner.

Aus den Scans lassen sich anschließend recht große Prints anfertigen.

Die Spinner 360° wird in einer Standard- und in einer Leder-Variante von der Lomographischen AG in China produziert und regulär für etwa 90 – 120 € angeboten. Der optionale Motorizer kostet um die 150 €.

Persönlich

… das absolute Vergnügen, das diese Kamera verbreitet,

… das superbreite Panoramaformat, das manchmal sogar über die 360 Grad hinausgeht,

… dass sie sofort einsatzbereit und einfach zu handhaben ist,

… dass sie problemlos Bewegungen aufnimmt,

… die gute Stimmung unter den Selfie-Akteuren,

… dass man von seinen Reisen immer einen Rundumblick mitbringt,

… dass man die robuste Kamera trotz weniger Einstellungen und ähnlichem Ablauf vielfältig einsetzen kann,

… setzt man sie auf Reisen allerdings immer ähnlich ein, ergibt sich ein wunderbar homogenes Bild vor immer wechselnden Kulissen,

… dass ihr in Sachen Spaß keine digitale Panoramakamera oder -funktion das Wasser reichen kann,

… die lustigen Sprockets,

… dass man mit ihr das breiteste Selfie der Welt aufnehmen kann.

Man muss sich über die Einschränkungen der Spinner im Klaren sein. Natürlich handelt es sich vorrangig um eine Spaßkamera, nicht mehr und nicht weniger. Als Sidekick für unterwegs ist sie allerdings unschlagbar.

Ich habe schon 2-3 Mal vergessen, beim Filmrückspulen den Schalter auf ‘R’ umzustellen. Dadurch kann der Film reißen (was mir auch passiert ist) und dann hat man den Salat…

Als jemand, der lieber hinter der Kamera steht und in die ‘Generation Selfie’ nur so reingestolpert ist, muss man sich erstmal an die eigenen Dauer-Grinsebacken gewöhnen.

Auf Flughäfen hätte ich immer ein wenig Schiss, dass man sie aufgrund ihrer Form für eine Waffe halten könnte.

Der Delfin, der oben rechts als eine Art Wasserwaage dient, ist bei mir ziemlich schnell ausgetrocknet.

In der Regel stört es mich nicht, dass die Spinner keinen Bildzähler hat. Wenn ich sie zwischendurch länger liegen lasse schon.

Ich habe ziemlich lange überlegt, ob ich mir diese Kamera wirklich zulegen sollte, denn zu dieser Zeit waren Selfies noch typische Duck Faces aus dem Badezimmer, die akutes Fremdschämen auslösten. Und dann brauchte ich nochmal genauso lange, bis die Spinner das erste Mal so richtig zum Einsatz kam.

Aber je häufiger ich ihr Köpfchen drehen ließ, desto lustiger wurde es und irgendwann war die Zeit der Superselfies da.
Mittlerweile hat sie sich zur ständigen Reisebegleitung hochgeknipst.

Zum Schluss

Stellt vor dem Zurückspulen des Films den Schalter an der Seite immer auf ‘R’ (“Rewind”) und nehmt vorsichtshalber den Gummring währenddessen ab. Wenn die Kamera länger nicht zum Einsatz kommt, sollte der Gummiring ebenfalls gelockert werden.

Verwendet lichtempflindliche Filme ab ISO 400.

Nicht wundern: Es gibt zwar einen Objektivdeckel, aber dahinter ist die Blende immer offen.

Wenn ihr ein wenig Abwechslung in eure Spinner-Bilder bringen wollt, probiert verschiedene Techniken aus.

Die Verschlusszeit lässt sich verlangsamen, wenn ihr die die Kamera manuell, also ohne Kordel, spinnen lasst.

Wenn ihr die Kordel loslasst, solltet ihr eine Art Surren hören, was bedeutet, dass der Film weiter transportiert wird. Hört ihr kein Surren, checkt den Schalter an der Seite. Vielleicht steht er noch auf ‘R’?

Normalerweise spannt man den Hebel oder dreht am Transporträdchen, nachdem man ein Bild aufgenommen hat. Bei der Spinner braucht ihr zwischen 2 Bildern nichts weiter unternehmen.

Wenn die Kordel nicht mehr eingezogen wird, ist wahrscheinlich der Film voll.

Auf einem Film, der für 36 Bilder ausgelegt ist, passen etwa 8 Spinner-Bilder, auf einem 24-er Film etwa 5.

Für Doppelbelichtungen gibt es keine Vorrichtung. Die funktionieren mit der Kamera nur, wenn ihr einen Film markiert, verschießt, ihn nicht ganz zurückspult und ihn noch einmal einlegt. (Mehr zu Doppelbelichtungen gibt es hier.)

Mit Photoshop könnt ihr aus horizontalen Spinner-Bildern sogenannte Tiny Planets (wie in der nächsten Bildreihe) erstellen.

… alle, denen ein Selfie mit dem Smartphone nicht (mehr) reicht.

Für alle, die sich mit den Bildern an lustige, oft einmalige Momente erinnern wollen.

Für alle, denen Spaß wichtiger ist, als perfekte Bilder.

Für alle, die der analogen Fotografie offen, kreativ und experimentierfreudig gegenüber stehen.

Für alle, die beim Knipsen auffallen möchten (oder denen es zumindest nichts ausmacht).

Für alle analogen Liebhaber, die mit ihrer Kamera Geschichten erzählen möchten.

Für alle, die noch ein bisschen Platz im Koffer haben.

Für alle, die auf der Suche nach einer ungewöhnlichen bis außergewöhnlichen Kamera sind.

Eisbrecher! Entwaffnend! EinmalumdieWelt!

Alle Bilder, die ihr hier seht, wurden mit meiner Spinner 360° auf unterschiedlichen Kleinbildfilmen (hauptsächlich mit ISO 400) aufgenommen.

Die meisten davon wurden im Drogeriemarkt entwickelt (reine Negativentwicklung, ungeschnitten). Ich habe die Negative dann anschließend mit meinem CanoScan 9000f selbst gescannt.

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