Kalenner Deern: Austmaand

Portrait August Austmaand Corinna Model © Lomoherz

Kalenner Deern: Austmaand

Portrait August Austmaand Corinna Model © Lomoherz

Follow, follow the sun
and which way the wind blows
when this day is done.

Breathe, breathe in the air
cherish this moment
cherish this breath.

(Xavier Rudd, Follow the sun)

Portrait August Austmaand Corinna Model © LomoherzPortrait August Austmaand Corinna Model © Lomoherz

 

August, mein August. Ist er nicht zugleich Höhepunkt und Melancholie des Sommers? Wassermelonenkernweitspucken und alles klebt. Der unverkennbare Geruch von Sonnenmilch und dann doch das bisschen Sonnenbrand auf der Nase. Der Sand knirscht zwischen den Zähnen und ist das wirklich Seetang im Haar?
Im August sind die Steine schon vorgewärmt auf die wir uns legen. Wir beobachten das Wetterleuchten in der Ferne und warten auf das Sommergewitter. Oder auf den nächsten Sommernachtstraum.
Im August angekommen dauert der Sommer nun schon so lange, dass wir alles für selbstverständlich halten. Die sockenlosen Füße, das Zitroneneis am Mund und die Reisen mit offenem Schiebedach. Wir verziehen uns in Gefilde, in denen die Zeit stillsteht und gleichzeitig fliegt. Die Feten im Garten, das letzte Kraftbier draußen vor der Bar und die See, die abends wärmer ist als die Luft. Und dann, aber nur ganz kurz, lassen wir uns doch dazu hinreißen zu glauben, dass alles von Dauer sei…

 

Portrait August Austmaand Corinna Model © LomoherzPortrait August Austmaand Corinna Model © LomoherzPortrait August Austmaand Corinna Model © Lomoherz

 

Ist diese Location nicht ein Traum? Man nennt sie die Schlafenden Bäume.
In einer Bucht im Greifswalder Bodden liegen große entwurzelte und vom Küstenwetter feingeschliffene Baumstämme am Strand und ragen vereinzelt ins Wasser hinein. Das Abendlicht fällt gut, denn nicht immer geht die Sonne an unserer Küste im Meer unter.
Der Strand wird an dieser Stelle immer wieder von kleinen Buchten unterbrochen, die Zugänge sind mal unauffällig, mal steil.

Was man auf den Bildern nicht sieht ist, wie gut besucht der Abschnitt mit den hölzernen Fotomodellen ist. Bereits bei unserer Ankunft passierten wir Spaziergänger, (Akt-)Fotografen und Romantik-Picknicker. Auf dem Weg zurück hatten es sich dagegen Lagerfeuerburschen und Knisterholzmädchen mit Gitarre und Blick auf den Sonnenuntergang gemütlich gemacht.
Für das Bild, auf dem Corinna Ukulele spielt (das kann sie übrigens wirklich!), konnte ich die Kamera zum Beispiel keinen Zentimeter weiter nach oben oder unten schieben, sonst hätte man das Pärchen hinter dem Baumstamm entdeckt.

Nicht alle schlafenden Bäume betten sich hier für immer zur Ruhe. Einige werden nach heftigen Stürmen oder Sturmfluten aufs Meer hinaus getrieben. Neue kommen hinzu, wenn der Bodden das Land unterspült und so die kräftigen Stämme mit Leichtigkeit entwurzelt.

 

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Als der August noch Sextilis hieß, war er fast ein Februar, denn er zählte nur 29 Tage. Er war auch, wie der Name schon anklingt, der sechste Monat im Jahr, da im alten Rom das Jahr erst im März begann. Und dann kam Julius Caesar, der den Sextilis, mittlerweile der 8. Monat, auf 31 Tage verlängerte. Gefolgt von Kaiser Augustus, zu dessen Ehren der Monat in August umbenannt wurde. Allerdings macht Sextilis – der ‚Sechste‘ – als achter Monat auch nicht viel Sinn. Hat den Römern bestimmt aufgestoßen.

Vor Caesars Kalenderreform war das mit den 30 und 31 Tagen übrigens schön abwechselnd aufgeteilt – 31 Tage lang waren unter anderem der Juli, September, November und dann wieder der Januar. Ganz logisch oder? Was Caesar dazu bewogen hat, den August zu verlängern, habe ich nicht herausgefunden, aber ich finde es ganz nett, denn er hat damit auch den Sommer verlängert. Finanziell ist das natürlich nochmal ein anderer Schnack.
Die Reihenfolge der Tageslängen der restlichen Monate kehrte man schließlich um, um nicht 3 aufeinanderfolgende Monate mit 31 Tagen (Juli-Aug-Sept) aussitzen zu müssen.
Heute orientieren wir uns immer noch an genau jenem Kalender, so wie er vor mehr als 2.000 Jahren konzipiert worden ist. Schon ein bisschen verrückt.

 

Portrait August Austmaand Corinna Model © Lomoherz

Portrait August Austmaand Corinna Model © LomoherzPortrait August Austmaand Corinna Model © Lomoherz

 

Ein ganz herzliches Dankeschön an mein Model Corinna, die nach einem langen Arbeitstag nicht nur ihre Ukulele-Künste zum Besten gab (und so die ’schöne‘ House-Musik im Hintergrund übterönte) und wie ein Strandäffchen auf den Bäumen herumkletterte, sondern auch bei optimistischen 17°C Wassertemperatur durch den Bodden watete.
Meiner Meinung nach hat es sich wirklich gelohnt, denn gerade das letzte Bild ist eines meiner absoluten Lieblingsbilder aus der gesamten Kalenner Deern Serie. Und es ist nicht das einzige ;)

Und warum August mein Lieblingsmonat ist? Na, weil ich im August Geburtstag habe (und dabei immer noch Sommer ist) :)
Irgendjemand hat sich mal die Mühe gemacht 12 Gründe aufzulisten, warum dies ein grandioser Glücksfall ist. Grund Nummer 13: Sommerkinder sind einfach … sonniger! Sieht man ja an Corinna. Die ist auch so ein Sommerkind.

Der Begriff Austmaand stammt übrigens aus dem Plattdeutschen und bedeutet sowohl Augustmond als auch Augustmonat.
Alle Kalenner Deern.

 

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Alle Bilder wurden am Greifswalder Bodden mit einer analogen Film-Kamera aufgenommen. Kein Photoshop (bis auf die Titelbilder), keine Filter oder sonstiges.
Einfach pure Film-Fotografie.

 

Model: Corinna

Kamera: Kiev 60

Film: Fuji Pro 400H

Entwicklung & Scan: Mein Film Lab

Alle Bilder werden in geringer Auflösung gezeigt.

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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2 Comments
  • Paleica
    Posted at 10:22h, 22 September Antworten

    hach, die location, das licht, die bilder! ich bin entzückt und verzückt und überhaupt! einfach der absolute wahnsinn. august, september, oktober, diese ganz besonderen goldenen monate, wo leichtigkeit und melancholie sich abwechseln.

  • Anne
    Posted at 02:10h, 09 Oktober Antworten

    auch als Winterkind muss ich sagen, das sind wunderbare Fotos! ich mag die mit dem gelben Pulli am liebsten und das letzte, das wir auch so gut gefällt. – und diese Bäume wirken so richtig zauberhaft. also, wie du siehst, ich bin begeistert! ganz liebe Grüße aus Südost!

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