Kalenner Deern: Julimaand

Juli Julimaand Kalenner Deern (c) Lomoherz

Kalenner Deern: Julimaand

Julimaand - Juli Portrait (c) Lomoherz

 

And I never wanted anything from you

Except everything you had

And what was left after that too, oh.

(Florence + The Machine, Dog Days Are Over)

 

Julimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) Lomoherz

Auf Kirschen gebettet

 

The Dog Days Are Over singt Florence + The Machine in einem wilden Tempo, das mich immer an eine Kissenschlacht mitten im Wald erinnert; unter den nackten Füßen nur kühles Moos, das unsere Luftsprünge sanft abfängt. Die Hundstage sind vorbei, jene Tage im Juli und August, die so heiß und schwül sind, dass uns mit jeder kleinen Bewegung ein Bächlein Schweiß von der Nasenspitze perlt. Vielleicht sind sie dieses Jahr schon vorüber, ehe sie begonnen haben. Im Juli zelebrieren wir den Sommer, aber einen richtigen Sommer gab es dieses Jahr (noch) nicht.
Statistisch gesehen ist der Juli der wärmste Monat im Jahr, während er gleichzeitig die zweite Jahreshälfte einläutet. Im alten deutschen Namen für den Juli – Heumond oder Heumonat – schwingt es schon mit. Ein anderer Name für den Juli war übrigens Honigmond. Wie verklärend romantisch, nicht? Wann hast du Geburtstag? Im Oktober? Nein, im Honigmond. Herrlich. (Wobei man zum Oktober dann wahrscheinlich Weinmond gesagt hätte.)

Der Juli steht auch für Abenteuer, Reisen und Freiheit. Dabei wüsste ich gerne, was zuerst da war – die naturbedingte Reise- und Abenteuerlust, an die man sich mit Ferien, Urlaubspreisen und Festivals angepasst hat oder die in der nördlichen Hemisphäre fest verankerte Sommer-Hochsaison, die ebenjene Gelüste auf die Spitze treibt.
Mittlerweile weiß ich ja, dass nicht jeder so sommervernarrt ist … aber gibt es etwas schöneres, als sich morgens von der Sonne zu einem Abenteuer überreden zulassen, mittags auf einem quietschenden Fahrrad ans Meer oder an den See zu fahren, um sich dann träge auf dem Wasser treiben zu lassen oder abends die Gartentafel mit Blumen und Lichtern zu schmücken?

Der Juli steckt so voller Sommermomente, dass er in Abhängigkeit der entgegengebrachten Erwartungen scheinbar nur einen Wimpernschlag andauert.
Daher kommt das Julimädchen auch erst im August ;) Natürlich nicht, aber drückt uns die Daumen für schönes Wetter am Mittwoch – dann fahre ich mit dem August-Mädchen raus.

Übrigens, mein Sommermoment jetzt gerade: meine Sonnenabeterin von Katze beim Sonnenbrutzeln (anders kann man es nicht mehr nennen) auf ihrem Mini-Strandtuch zu beobachten, während ich draußen in meiner Hängeschaukel aus Rattan sitze und diesen Artikel schreibe.

Julimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) Lomoherz

Kirschen, die von Apfelbäumen fallen

 

Als ich mir den Juli als analoges Portrait ausmalte, war mein Kopf schnell voller Kirschen. In unserem alten Garten stand ein riesiger Kirschbaum und ich weiß noch, wie ich in einem Minnie-Maus-Jumpsuit darin herumkletterte und nie ohne eine Schürfwunde am Bein herunterkam. Die kleineren Sauerkirschbäume würdigte ich keines Blickes. Auch heute kann ich mir im Juli ohne Kompromisse noch den Bauch voller Kirschen schlagen. Wer braucht schon Abendbrot.

Mein Fotomodell sollte sich zwar keine aufgeschürften Knie holen, aber eine Nahaufnahme mit Kirschschatten im Gesicht sollte es schon sein. Doch woher nehmen, wenn die Kirschbäume sich weigern, in diesem verregneten Sommer ihre rot-schwarzen Früchte zu tragen? Ich klapperte ein paar Stellen ab, von denen ich wusste, dass dort wilde Obstbäume wachsen, aber an keinem hing auch nur eine einzige Kirsche. Ich hätte es noch auf unserem Obsthof versuchen können, aber der hat im warmen Sommerabendlicht schon längst geschlossen. Auf meiner Suche nach den vollen Kirschbäumen aus meiner Kindheit entdeckte ich zufällig diese Apfelbaumplantage, die das Licht wunderbar in ihren Zweigen einfing. Nun gut, kommen die Kirschbäume nicht zu mir, bringe ich die Kirschen eben zu den Bäumen. Die Äpfel auf der Plantage sind zu dieser Jahreszeit zwar noch nicht reif und wenig julihaft, aber die Kulisse war einfach zu gut, um sie zu ignorieren. Und eine Alternative hatte ich auch noch nicht.
Also kaufte ich an einem Morgen im Juli 6 Pfund Kirschen und zog abends mit meinen Fotomodellen in die neue Mischobstplantage ein.

Den Shoot habe ich – trotz einer Mückeninvasion – sehr genossen. Es ist eine Sache, mit bestimmten Bildern im Kopf in einen Portrait-Shoot zu gehen, aber eine andere, sich auf Umfeld und Fotomodell einzulassen und seine Vorstellungen um die Kunst und Intuition aller Beteiligten zu erweitern. Was dabei herauskommt ist eine viel größere und lohnendere Überraschung, als die eigenen Bilder im Kopf unverändert auf Fotopapier zu sehen.
Ohne digitalen Backup-Bildschirm wird so ein Portrait-Shoot schnell zur Vertrauenssache, auf beiden Seiten. Mit Melanie als Fotomodell stellt sich dieses Vertrauensgefühl immer gleich ein, was mich als Portrait-Anfängerin rigoros entspannt. Aber dazu werde ich im nächsten Eintrag in The Portrait Diaries noch ein bisschen abschweifen. Und die Polaroids von unserem Shoot gibt es dann auch zu sehen.

Julimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) LomoherzJulimaand - Portrait Juli mit Melanie Model (c) Lomoherz

Für uns (Hobby-)Fotografen sind die Sommermonate ganz besonders. Da ist auf einmal so viel Tageslicht zwischen Feierabend und Bett. Da ist das Spiel mit dem Gegenlicht, die legendären Sonnenuntergänge und immerzu dieses Sommerabendlicht, das alles einen warmen Glanz verleiht. In der Mittagssonne sieht man uns dafür nicht mehr herumhampeln. Da ist das Licht zu grell, sind die Schatten zu hart und die Augen zu arg zugekniffen. Dann doch lieber Juli-Siesta, wie sich das an den Hundstagen gehört.

Der Begriff Julimaand stammt übrigens aus dem Plattdeutschen und bedeutet sowohl Julimond als auch Julimonat.
Alle Kalenner Deern.

 

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Alle Bilder wurden in Stralsund mit einer analogen Film-Kamera aufgenommen. Kein Photoshop (bis auf die Titelbilder), keine Filter oder sonstiges.
Einfach pure Film-Fotografie.

 

Model: Melanie

Kamera: Kiev 60

Film: Fuji Pro 400H

Entwicklung & Scan: Mein Film Lab

Alle Bilder werden in geringer Auflösung gezeigt.

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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2 Comments
  • Zeitlauf
    Posted at 22:45h, 14 August Antworten

    Hi
    Eine tolle session hast du da gezaubert! Das erinnert mich, mich auch mal wieder im Portraitfach zu versuchen.
    LG Peter

  • Paleica
    Posted at 09:30h, 22 September Antworten

    das ist so schön! liebe conny, ich dachte schon, du bist aus der bloggerwelt verschwunden, weil ich so lange nicht mehr hier war, bis ich gesehen hab, dass dein blog – warum auch immer – nicht in meinem reader ist oder aktualisiert wurde. sehr komischt. ich hoffe, dass dies nun anders ist <3 herzliche grüße aus wien, dein sommergefühl kann ich sehr, sehr gut nachempfinden, obwohl sich das alles seit dieser lästigen 40stundenwoche alles ein wenig verändert hat…

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