Stadtmale: Stralsund

Stadtmale: Stralsund

Was mir in Stralsund wie in keiner anderen Stadt auffällt, sind ihre bunten Schriftzüge an den Häuserwänden. Ein Krämerladen hier, der Rat der Stadt dort und gleich da drüben wohnt so ein Carl. Aber wenn ich hinüber gehen und bei Carl klingeln würde, würde er mir nicht aufmachen. Im Krämerladen bekäme ich keinen Speck und bei der Stadtverwaltung stünde ich vor verschlossenen Türen.
Alles, was von diesen Geschäften, Einrichtungen und Institutionen übrig geblieben ist, sind die geschwungenen Versalien, die in rot, orange und grau von den Giebeln prangen. Manchmal dicht nebeneinander, Haus an Haus, und manchmal vereinzelt zwischen zwei modernen Gebäuden oder in einer abgelegenen Gasse.

Die Schriftzüge stammen aus einer anderen Zeit, spannen Jahre oder sogar Jahrzehnte Vergangenheit und erzählen, wie sich die Hansestadt Stralsund früher organisierte, wie Händler für sich warben und welche Straßen am geschäftigsten waren.
Im Zuge der (bitternötigen) Stadt- und Häusersanierung wurden diese Schriftzüge bewahrt und teilweise sogar freigelegt. Statt sie einfach zu übermalen, schenkte man ihnen einen Platz im Stralsunder Alltagsgeschwirr und lässt fortan ein Lüftchen Nostalgie durch ihre Straßen ziehen. Altes überdauert und vermischt sich mit Neuem.

Schlendert man durch die Altstadt, vor allem durch die Franken- oder Langenstraße, sieht man an manchen Ecken, dass die Stralsunder Tradition wiederbelebt wird. Hier und da sieht man Betriebe aus diesem Jahrtausend, die keine Tafel und kein im Wind quietschendes Schild vor das Schaufenster hängen, sondern ihre Namen über ihre Türen malen – in rot, orange und grau.

Und vielleicht legt sie dann jemand in fünfzig oder sechzig Jahren frei.

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Finden sich solche oder ähnliche Stadtmale in eurer Stadt? Eine meiner Lieblingsreihen, die urbane Typografien dokumentiert, findet ihr übrigens bei der unglaublich aufmerksamen und ebenfalls analog fotografierenden Anne von Hier so… .

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Moin! Ich bin Conny, Lomography-Mädchen, Bloggerin und Weltenbummlerin mit Flugangst.
Ich mag es, die Welt in Lomo-Farben zu tauchen und nebenbei neue Orte zu entdecken. In meinem Blog Lomoherz verbinde ich die Liebe zur analogen Lo-Fi Fotografie mit meinem ungebrochenen Fernweh. Ich mag das Gefühl von Weite, Storytelling und das Meer. Daheim arbeite ich im Marketing und als Webkonzepterin für Content und Design einzelner Websites.
Schön, dass Du da bist!
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5 Comments
  • Anne
    Posted at 23:23h, 18 Februar Antworten

    Oh, liebe Conny! Mein Herz hat einen kleinen Luftsprung gemacht, so eine schöne Geschichte, die du rings um die Fotos gezaubert hast! Und vor allem, dass sie erhalten werden, die SchriftenSchilderBuchstaben! Ich mag den Glasermeister!
    …und dann noch der Link! Hab Dank, meine liebe und wie immer, südöstliche Grüße!

  • Dani
    Posted at 06:54h, 19 Februar Antworten

    Klasse, ich liebe solche alten Bemalungen / Schriften auch sehr und muss sie IMMER fotografisch festhalten. Hier gegenüber meines Büros gibt es zum Beispiel noch die „Margarinefabrik“, die längst keine mehr ist. Wuppertal bietet deutlich mehr Altbauten als Bochum, wo im Krieg zuviel zerstört wurde. Aber immer, wenn ich zukünftig eine Schrift entdecke, werde ich an dich denke . :*

  • foster
    Posted at 10:31h, 19 Februar Antworten

    Sehr schön. Ich kann mich bei solchen Schildern immer nicht entscheiden, wie ich sie lieber mag: alt und verblichen, mit Patina sozusagen – oder doch sauber restauriert, wie z.B. bei Mackenthun Sohn in der Badenstraße (auch in Stralsund)

  • Anonymous
    Posted at 10:45h, 19 Februar Antworten

    toll, das ist Pflege am DENKmal.
    Evelin

  • andrea
    Posted at 20:51h, 24 Februar Antworten

    Ich liebe die alten Schriftzüge auch :)

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